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über das Zeitempfinden ...


Seeigel sind unbewegt

Seeigel sind am Meeresboden für das bloße Auge fast unbeweglich. Wenn man eine Kamera daneben stellt und alle 10 Sekunden eine Aufnahme macht, bewegen Sie sich plötzlich wie eine Armee:

Die hinteren klettern in Reihen über ihre Kameraden von hinten nach vorne und bilden so eine Phalanx. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies ein Verhalten ist, um sich von ihren natürlichen Feinden, den ebenfalls sich langsam bewegenden Seesternen zu schützen.


Das Zeitempfinden einer Stubenfliege

Unser Auge löst biochemisch das Bild auf der Netzhaut 60 mal in der Sekunde auf und gibt es an unser Hirn weiter. Das erzeugt eine subjektive empfundene Geschwindigkeit von wahrgenommenen Objekten. Das Facettenauge einer Stubenfliege hingegen löst viel häufiger auf und gibt 250 Bilder pro Sekunde an ihr Hirn weiter. Das ist 4 mal häufiger als beim Menschen. Bei der Stubenfliege kommt daher eine vierfach verzögerte Zeitlupe im Hirn an. Deswegen kann sie einer menschliche Hand, die nach ihr schlägt meist mühelos ausweichen.


Wenn wir ein Lebewesen wären, das 80'000 Jahre lebt

Wenn wir ein Lebewesen wären, dass 80'000 Jahre lebt, das heißt 1000 mal solange wie unser jetziges Menschenleben, aber innerhalb dieser Zeitspanne dieselben Sinneseindrücke hätte (z.B. unser Auge löste die Bilder 1000 mal langsamer auf) dann würde für dieses Lebewesen alles 1000 mal schneller ablaufen.

Ein Baum würde täglich 8 Meter wachsen. Die ruhigen Wälder wären in gespenstischer Bewegung.  Alle 12 Stunden hätten wir einen Wintereinbruch, alle drei Stunden lösten sich die Jahreszeiten ab. Zierpflanzen würden während eines Mittagessens aufblühen und wieder vergehen. Bodenpflanzen würden herumkriechen, als suchten sie nach Beute. Die Sonne würde wie ein Komet über das Firmament rasen. Ebbe und Flut kämen wie Wellen ans Ufer.Wir hätten nur noch 50 Sekunden Tageslicht, gefolgt von 50 Sekunden Nacht.

Wenn wir ein Wesen wären, dass 800'000 Jahre lebte (nochmal ein Faktor 1000), dann würde sich unsere Wahrnehmung der Welt noch einmal drastisch verändern.

Tag und Nacht würde innerhalb einer Sekunde mehrfach abwechseln und wir würden es nur noch als Flackern erleben. Die Jahreszeiten wechseln im 8 Sekundentakt - alle 32 Sekunden würden wir Silvester feiern. Ein Baum würde sich in 14 Minuten vom Pflänzchen zum 80 Meter ausgewachsenen Exemplar entwickeln und das Wachstum einer Blume würden wir als Explosion erleben.

Wenn wir sogar 80 Millionen Jahre leben würden, würden die Alpen innerhalb eines Tages vor uns entstehen und am nächsten Tag wieder verschwinden. Unser Kontinent, würde sich täglich um 60 Kilometer von Amerika wegbewegen.


Wir können aber auch in die umgekehrte Richtung gehen. Ein Lebewesen, dass eine 1000 mal kürzere Lebensspanne als wir hat, würde alle Sinneseindrücke eines Lebens in nur einem Monat erleben. (Dessen Augen würde alles 1000 mal schneller auflösen, als unser Auge).

Wir könnten den Flügelschlag eines Insekts, genauso wie eine Gewehrkugel gemächlich mit dem Blick verfolgen. Der Bewegung des Mondes und der Sonne sind kaum zu registrieren, sie scheinen unbeweglich. Wer im Herbst geboren wird, hat bis zum Ende seines Lebens nichts anderes erlebt, als dass es Herbst gibt. Den Jahreszeitenwechsel kennt man nur aus Erzählungen, sie wechselten so selten, wie eine Eiszeit.

Wenn wir noch einmal 1000 mal kürzer leben würden, dann dauerte unser Leben nur noch 41 Minuten.

In so einem Menschenleben hat man nur helllichten Tag erlebt, und vor nur ungefähr 15 Generationen, so wird in Mythen erzählt, hätte es so etwas wie eine "Nacht" gegeben. Die Sonne steht unbewegt am Himmel, am Anfang des Lebens etwas weiter rechts, am Ende des Lebens einige Zentimeter weiter links. Diese Wesen könnten keine Pflanzen wachsen sehen, jede Blüte scheint unvergänglich. Vögel und Flugzeuge würde regungslos am Himmel stehen. Eine Wolke würde sich von Geburt bis ans Lebensende nur um einige Meter nach links bewegen. Schallwellen wären für diesen Menschen unhörbar, dagegen könnten Sie Ultraschall hören.

Wenn wir noch einmal 1000 mal kürzer leben würden, dann dauerte unser Leben noch 2.5 Sekunden.

Ein Blitz dauerte in so einem Leben zwei Monate, bis er zu Boden kommt. Der Mensch könnte Ultraschall nicht mehr hören, dafür aber jene Wellen, die wir als Licht und Farbe wahrnehmen. Er würde Farben HÖREN.


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Kommentare: 2
  • #1

    Brigite (Sonntag, 07 Dezember 2014 20:29)

    Zeit ist relativ, das stimmt.
    Es dauerte so lange bis ich 20 war, 40 war ich dann in relativ kurzer Zeit! :-)

  • #2

    Anna (Dienstag, 16 Dezember 2014 09:33)

    wie die Zeit vergeht - bald haben wir ein neues Jahr!
    Wünsche allen (R)Auszeiter ein von Auszeiten, Erholungsmomenten und innerem Wachstum begleitetes Jahr 2015!